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September 2011 - Solidarität Kenya, Nanyuki - Email von Jane Kigotho, Vorsitzende

Solidarität Kenya, Nanyuki - Email von Jane Kigotho, Vorsitzende, im Sept. 2011

Solidarität Kenya, Nanyuki

Von links: ausgetrocknetes Flussbett – verendete Schafe – Br. Haron bei einer Versammlung mit Betroffenen

Lieber Ulrich und liebe Freunde!
Herzliche Grüße aus Kenia vom Verein Solidarity Kenya und von den St.-Josephs-Brüdern. Servus! und von den Brüdern von St. Joseph. Servus!
Wir freuen uns sehr über Deine lange und ausführliche mail und sind Dir, Deiner Familie und allen Freunden in Deutschland sehr dankbar. Wir haben schon einige Zeit nichts mehr voneinander gehört, aber hoffen sehr, dass es Euch gut geht.
Wir finden es toll, dass sich der Vorstand von Solidarität Regensburg über unsere Partnerschaft und Freundschaft berät. Wir beten ständig für unsere Freundschaft, die nun schon einige Jahre anhält und fester wird. Davon werden bei uns und bei Euch die Menschen, die Gemeinschaften und die beiden Länder profitieren. Möge Euch der allmächtige Gott für alle Anstrengungen und alles segnen, was ihr für das Wachsen unserer Freundschaft und Partnerschaft tut.
Wie Du schon in den vergangenen Tagen geschrieben hast, gleitet uns das Hungerproblem in Kenya aus den Händen. Über 10. Mio. Menschen sind in unserem Land von der wachsenden Hungerkatastrophe betroffen, besonders im zentralen Hochland, im Osten und Norden Kenias. Sie ist auch bedingt durch Missernten in den letzten beiden Jahren. Die momentane Lage ist so schlimm, dass Menschen sterben, weil sie nichts zu essen und zu trinken haben. Kinder, Frauen, Behinderte und AIDS-Kranke sind am meisten betroffen. Auch ein erheblicher Teil des Viehs ist schon verendet.
In unserer Gegend sind die meisten Gruppen, die in Solidarität Kenya zusammengeschlossen sind oder die im Ziegenprojekt mit Bruder Haron verbunden sind, betroffen. Männer verlassen ihre Familien, um irgendwo etwas Nahrung aufzutreiben; sie lassen die kleinen Kinder und ihre Frauen zurück mit nichts und ohne Hoffnung. Vor 2 Wochen haben wir vom Solidarity Kenya Vorstand (Jane, Haron, Nicholas und Steven) die Leute im Solio-Gebiet besucht (Du erinnerst Dich bestimmt, dort haben wir im vergangenen Jahr mit der deutschen Jugendgruppe das große Baumpflanzprojekt durchgeführt) und mit ihnen eine Krisensitzung gehalten, wie wir diesen Menschen helfen könn(t)en. Ein ähnliches Treffen hatten wir mit Bruder Haron und den Vertretern der verschiedenen AIDS-Selbsthilfegruppen von Mweiga.
Wir haben gemerkt, die Gruppen brauchen wirklich schleunigst Hilfe, ganz besonders die Kinder. Die Unterernährung hat so zugenommen und die meisten Kinder haben oft w oder 3 Tage überhaupt nichts zu essen. Eine Familie hat uns erst ganz verzweifelt um Essen angebettelt, weil sie schon tagelang nichts mehr gegessen hatten und sie auch kein Geld mehr haben. Immer öfter jagen die Menschen in unserem Gebiet Niederwild oder sie essen wilde Früchte und Gemüse – in ihrer Verzweiflung sogar giftige Pflanzen. Die Kinder leiten unter der Unterernährung und Krankheiten wie Durchfall, Typhus, Kopfweh und Augeninfektionen breiten sich immer schneller wegen der schlechten Ernährung und mangelnder Hygiene aus.
Die Preise für Lebensmittel sind schon um weit über 50% gestiegen. 2 kg Maismehl, das für eine Mahlzeit einer 4-köpfigen Familie reicht, kostet schon 2.500 ksh (= 2,50 Euro). Aber das kann man nicht ohne Gemüse essen; wenn es überhaupt Gemüse zu kaufen gibt, dann ist es preislich unerschwinglich. Nahrhaftes Soja-Maismehl für Kinder kostet sogar 4 Euro. Du kannst Dir vorstellen, welche Probleme die Menschen hier haben, wenn sie kein Geld für die knappen Lebensmittel haben. Die meisten Lebensmittel werden aus Tanzania eingeführt. Die Regierung diskutiert über den Import von GMO-Mais aus Südafrika – ein Vorschlag, der von vielen Menschen wegen der schlechten Qualität abgelehnt wird. Die NGO’s (=Nichtregierungsorganisationen) und die Vereinten Nationen helfen auch, aber ihre Hilfe erreicht nur 3,5 Mio. Menschen, überwiegend im Norden und in den Flüchtlingslagern. Ja, es stimmt, dass einige Hilfslieferungen an manchen Orten von Regierungsleuten gestohlen wurden. Das ist sehr schmerzlich.
Mit diesem Brief richten wir einen leidenschaftlichen Appell an alle unsere Freunde und Menschen guten Willens, uns nach ihren Möglichkeiten großzügig zu unterstützen, damit wir den Ärmsten der Armen, den Kindern, den Frauen und den AIDS-Kranken helfen können. Wir schätzen, dass wir das ganze Solio-Gebiet bei Nanyuki und die Selbsthilfegruppen bei den St.-Josephs-Brüdern erreichen können.
Eine Spende von 5 Euro reicht aus, um eine Familie einen Tag lang zu ernähren. Die Lage wird sich nicht bald verbessern, denn die Pflanzzeit beginnt erst im Oktober und die Ernte kann frühestens im Februar 2012 erfolgen. In der Tat, die Situation wird von Tag zu Tag schlimmer. Bitte, Uli, stell Dir vor, es braucht nur 5 Euro, einer Familie das Überleben für einen Tag zu sichern. Im Sinne der Solidarität und um Gottes Willen, lass uns zusammen arbeiten, um den sterbenden Kindern zu helfen. Das ist unsere eindringliche Bitte an Euch. In den nächsten Tagen schicke ich Dir Fotos, die Euch einen Eindruck von unserer bedrückenden Situation geben.
Steven arbeitet nicht mehr für das Welternährungsprogramm, aber wir sind bereit, unsere Fähigkeiten und unsere Kenntnisse einzusetzen, um den bedürftigen Menschen zu helfen, wenn wir Hilfsmittel zur Verfügung haben. Wir können nur uns und unsere Vorortkenntnisse der Regierung und den NGO’s anbieten und zur Verfügung stellen; insbesondere dem Roten Kreuz Kenya, damit sie schnell und zielgerichtet helfen können, wenn die Hilfsgüter kommen. Ich brauche Euch nicht extra sagen, dass für so eine Operation einiges an Geld dringend nötig ist.
Was unser Jugendaustauschprogramm betrifft verstehen wir vollkommen Eure Schwierigkeiten, wenn Ihr keine Zuschüsse bekommen habt. Das sind keine guten Nachrichten, denn wir haben gehofft, auch heuer eine deutsche Jugendgruppe beherbergen zu können. Aber es ist ja nichts verloren und wir hoffen von Euch bald wieder zu hören, wenn es neue Ideen und Entwicklungen auf diesem Gebiet gibt. Andererseits freuen wir uns über die Absicht von Solidarität Regensburg, eine Gruppe von uns im Jahr 2013 nach Deutschland einzuladen. Das ist wirklich toll und wir sollten zusammen daran arbeiten, dass dieses Vorhaben gelingt. Wir sind uns bewusst, dass dieses Vorhaben eine Menge an Arbeit, Spendensammeln und Vorbereitungen bringt. Gib unsere herzlichsten Grüße an die Vorstandschaft von Solidarität Regensburg und unsere Freunde weiter. Wir jedenfalls werden unsererseits das Vorhaben besprechen und die Einzelheiten mit unseren Mitgliedern vorbereiten.
Nun zu Gerhard Erneckers Kenia-Reise. Informiere uns, wann er genau kommt, damit wir ein Treffen mit ihm vorbereiten können. Es ist wirklich ein feiner Mensch und wir schätzen ihn sehr. Besonders freut uns sein Einsatz für unsere Gruppen und seine Ratschläge zur Qualitätsverbesserung der Produkte sind uns sehr hilfreich. Gerne kann er bei uns übernachten, wann immer er kommt. Und Du weißt ja, dass wir immer gerne bereit sind, Dich und Deine Freunde bei uns aufzunehmen. Unsere Partnerschaft baut auf Vertrauen und Freundschaft und wir sind bereit, jedem zu helfen und zu unterstützen, der durch Deine Vermittlung oder als Mitglied/Vertreter von Solidarität Regensburg zu uns kommt.
Und nun zu Dir, Ulrich. Wir vermissen Dich wirklich sehr. Wir freuen uns riesig, wenn Du uns im Februar 2012 besuchen kommst. Es gibt so unendlich viel zu reden und auszutauschen über unsere Partnerschaft, unsere beiden Schwestervereine und natürlich über den geplanten Jugendaustausch. Du bist wirklich herzlich willkommen bei uns.

Grüße Deine Familie herzlich von uns und lass uns wissen, was wir tun können, um das Leben so vieler von Hunger und Dürre bedrohter Menschen zu retten.
Und wie Du gesagt hast: lass uns zusammenstehen, zusammen beten, Seite an Seite marschieren. Gott schütze Dich,
Jane und Bruder Haron


Nachricht von Bruder Haron Kamau am 7.9.2011:

Gerhard Ernecker hat mir die 1.800 Euro Soforthilfe vom Ziegenprojekt „Ziegen für Mweiga“ übergeben, für die ich Dir ganz herzlich danke. Wir können sie dringend gebrauchen und werden davon Lebensmittel und andere Hilfsgüter für die Hungernden in den Selbsthilfegruppen, die Alten und die AIDS-Kranken kaufen.

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Zuletzt aktualisiert am Montag, den 15. Juli 2013 um 13:02 Uhr

 
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